TdW: Prügelattacke am Hauptbahnhof – Wie eine Frau Schlimmeres verhinderte

Shownotes

Am 2. April 2025 wird ein schwerbehinderter 15-Jähriger am Hildesheimer Hauptbahnhof von drei Jugendlichen attackiert. Sie treten auf ihn ein – bis eine Frau eingreift und die Täter vertreibt. Für ihren Mut wurde die 46-Jährige jetzt mit dem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Doch was geht einem Menschen in so einem Moment durch den Kopf? Hat man keine Angst? Und warum haben im April so viele weggeschaut? HAZ-Chefreporter Jan Fuhrhop spricht mit HAZ-Redakteurin Kathi Flau, die mit der Preisträgerin gesprochen hat.


Die Tat: https://www.hildesheimer-allgemeine.de/meldung/15-jaehriger-am-hauptbahnhof-hildesheim-getreten-wer-ist-die-frau-die-die-gewalttaeter-vertrieb.html

Die Verleihung des Zivilcourage-Preises: https://www.hildesheimer-allgemeine.de/meldung/diese-hildesheimerin-erhaelt-den-zivilcouragepreis-2025-sie-schritt-ein-als-ein-schwerbehinderter-junge-von-drei-anderen-attackiert-wurde.html


Gastgeber: Jan Fuhrhop Gast: Kathi Flau Schnitt/Postproduktion: Clemens Heidrich


„HAZ gehört“ – die Audiomarke des Medienhauses Gerstenberg ist eine Produktion der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung.

Transkript anzeigen

00:00:00: Es ist der zweite April, twenty-fünfundzwanzig, als am Hildesheimer Hauptbahnhof drei jungenlöcher einen Schwerbehindern, fünfzehnjährigen, attackieren.

00:00:07: Auch als der Junge stürzt, lassen sie nicht von ihm ab.

00:00:09: Sie treten auf ihn ein.

00:00:11: Doch dann greift eine Frau ein.

00:00:13: Jetzt ist sie für einen Preis nominiert worden und hat diesen bekommen.

00:00:17: Den Preis führt Zivilcourage.

00:00:19: Was ist der sechsenvierzigjährigen damals durch den Kopf gegangen?

00:00:21: Hatte sie Angst?

00:00:22: Formen gucken so viele Menschen eigentlich weg, wenn sie doch helfen sollten.

00:00:26: Was rät die Polizei?

00:00:27: Und was ist mit den drei Gewalttätern, die den Jungen damals angegriffen haben?

00:00:31: Darüber spreche ich mit meiner Kollegin Cardi Flau.

00:00:34: Mein Name ist Jan Fuhrup und das ist hats gehört, Thema der Woche.

00:00:40: hats gehört.

00:00:44: Hi Kati, danke, dass du in unser Packersstudio gekommen bist, um mit mir über diesen Fall zu sprechen.

00:00:49: Hallo Jan, sehr gern.

00:00:51: Ich habe in der Einleitung ganz kurz zusammengefasst, worum es geht.

00:00:53: Erzähl doch mal bitte ausführlicher, was es damals am zweiten April am Hildesheimer Hauptbahnhof genau passiert.

00:00:59: Darüber habe ich gestern mit der Frau gesprochen, die den Preis bekommen hat.

00:01:03: Und sie hat mir erzählt, dass es ein ganz normaler Tag war.

00:01:07: Sie war mit ihrer Tochter und deren Freundin in der Innenstadt, die haben ein bisschen eingekauft und wollten dann nach Hause zurückfahren mit dem Bus und standen dort am Busbahnhof, als hinter ihr sich plötzlich ein Geschehen abspielte, dass sie natürlich erst mal nicht sehen konnte.

00:01:23: Sie hat es als Tumult beschrieben, hat sich dann umgedreht und hat genau diese Situation dann gesehen, die du gerade beschrieben hast.

00:01:31: Da sind die Jugendlichen aus dem Bus ausgestiegen und haben den schwer behinderten Jungen angegriffen.

00:01:37: Und das war aber rein zufällig eine Bewegung.

00:01:39: Sie kannte keinen von den Beteiligten, sondern...

00:01:42: Sie kannte keinen von den Beteiligten.

00:01:43: Das war einfach ein Bus, der hinter ihr am Bahnhof angekommen ist, der dort gehalten hat und wo sich das dann ereignet hat.

00:01:49: Situationen kann man sich vorstellen.

00:01:52: Man braucht wahrscheinlich ein, zwei Sekunden, um zu verstehen, was da eigentlich passiert, genau.

00:01:56: Und dann diese Entscheidung treffen... Was mache ich denn jetzt?

00:02:00: Wie hat sie dir das beschrieben?

00:02:02: Sie hat es beschrieben gar nicht als bewusste Entscheidung, sondern als Moment, in dem sie gar nicht anders handeln konnte als Impuls quasi.

00:02:10: Sie ist direkt darauf zugegangen auf diese Situation und hat dann dort eingegriffen.

00:02:14: Da passen, also bzw.

00:02:17: in solchen Situationen gibt es ja häufig Menschen, über die wir auch schon in der Vergangenheit berichtet haben, beim Zivilcourage-Preis, der jährlich verlieren wird oder auch nach anderen Situationen, die dann sagen, naja, aber ich bin ja jetzt kein Held oder keine Heldin.

00:02:33: Es ist völlig normal, da dann einzugreifen.

00:02:35: Wir wissen aber aus Statistiken und aus Erfahrungen ist es eben nicht normal, dass Leute helfen, wenn anderen in Schwierigkeiten sind.

00:02:43: Wie hat Lena Walpuski das erlebt?

00:02:46: Oder wie hat sie dir das geschildert?

00:02:47: Was für sie völlig normal?

00:02:49: Du hast irgendwie gesagt eine Impulshandlung, also was eher ein Reflex und sie hat hinterher länger überlegt.

00:02:54: War das eigentlich richtig?

00:02:55: Habe ich mich selber in Gefahr gebracht?

00:02:57: Genau, so hat sie das beschrieben als Impuls, genau wie du gerade sagtest.

00:03:02: Und sie hat... eben erst hinterher auch das reflektiert sozusagen, also das nochmal durchdacht, das nochmal erlebt.

00:03:11: Sich selber gefragt, was hätte vielleicht auch passieren können, denn zum Glück muss man sagen, ist ihr nichts passiert, sondern sie konnte die Situation tatsächlich sehr schnell auflösen.

00:03:20: Die Täter haben dann die Flucht ergriffen, als sie lautstark dort dazwischen gegangen ist und da eingegriffen hat.

00:03:28: Okay, ja, kannst du das beschreiben?

00:03:30: Also was hat sie genau gemacht?

00:03:31: Hat sie die angebrüllt, sie die handgreiflich selber geworden?

00:03:34: Hat sie weggeschubst?

00:03:35: oder was hat dazu geführt, dass die Typen dann abgehauen sind?

00:03:39: Man muss vielleicht dazu sagen, dass... die Preisträgerin eine ganz zarte Person ist, also rein körperlich wahrscheinlich, stellt man sich das schon fast unmöglich vor, dass sie dort irgendwas hätte ausrichten können.

00:03:55: Das hat sie aber eben auch gar nicht versucht, sondern sie ist darauf zugegangen und hat laut gerufen, hat die angebrüllt quasi so, die sollten damit aufhören und die wollen so verblüfft darüber, dass sie das dann auch getan haben.

00:04:08: Wenn man sich jetzt vorstellt, wir kennen den den Busbahnhof am Hauptbahnhof, wie die meisten Hörerinnen und Hörer wahrscheinlich auch.

00:04:17: Da sind viele Leute ständig unterwegs, selbst spät, abends eigentlich noch.

00:04:22: Wie haben die anderen reagiert?

00:04:23: Also sie wird ja nicht alleine da gewesen sein.

00:04:25: Hat da sonst niemand irgendwas getan?

00:04:27: Sie war nicht alleine da, genau so, wie du sagst.

00:04:30: Das war ja dreizehn Uhr vierzig ungefähr.

00:04:32: Es war früher Nachmittag, jedenfalls da war.

00:04:34: Wo es eigentlich ziemlich voll ist da, ne?

00:04:35: Genau, das war richtig belebt.

00:04:38: Und sie sagte, dass tatsächlich sie dadurch, dass sie so laut war, auch andere noch darauf aufmerksam machen konnte und unter anderem ein Mann, der dort ebenfalls stand, hat damit eingegriffen bzw.

00:04:50: hat sie unterstützt darin.

00:04:52: Ah,

00:04:52: okay.

00:04:52: Das heißt, der sich vielleicht... Dadurch ermutig gefühlt hat, nicht allein zu sein und zu zweit kann man mehr ausrichten.

00:04:58: So klang es, ja, so ein bisschen.

00:05:00: Er ist im Prinzip erst durch sie darauf aufmerksam geworden.

00:05:03: Und auch darauf, dass es eine mögliche Gefahrensituation wirklich war.

00:05:08: Wie haben dann diejenigen, beziehungsweise sagt doch erst mal, wer verleiht den Preis eigentlich, den Frau Walpuski gestern bekommen hat?

00:05:14: Das macht der Präventionsrat.

00:05:17: Das macht er aber nicht alleine, sondern da gibt es eine Jury, die das dann mit entscheidet.

00:05:21: Man kann im Prinzip Vorschläge einreichen.

00:05:25: Und in dieser Jury ist unter anderem auch Vertreter der Polizei.

00:05:30: Hildesemann Polizeichef, der Leiter der Inspektion, Michael Weiner, der war ja auch bei der Preisverleihung, wenn ich richtig informiert bin, ja.

00:05:36: Genau,

00:05:37: da war er

00:05:37: auch.

00:05:37: Und der Oberbürgermeister Ingo Maier auch.

00:05:40: Was haben die denn dazu gesagt?

00:05:41: zu der Frau?

00:05:42: Die haben im Prinzip das sehr gelobt ihr Verhalten.

00:05:48: Nicht nur, weil sie was verhindern konnte, also eine möglicherweise schlimmere Tat, sondern auch, wie sie es gemacht hat.

00:05:55: eben dass sie verbal auf die Situation und auf die Täter zugegangen ist.

00:06:01: Denn das ist offenbar das ideale Verhalten sozusagen in so einer Situation.

00:06:08: Also die Polizei redet ja auch grundsätzlich immer sich nicht selbst in Gefahr zu begeben, ne?

00:06:15: Das ist ein ganz wichtiger Punkt.

00:06:16: Das hat Michael Weiner gestern nochmal ausdrücklich betont.

00:06:21: und eben, dass sie so, dass es ihr gelungen ist, auch eben andere Passanten darauf aufmerksam zu machen.

00:06:27: Also auf die Situation wirklich so hinzuweisen, dass auch Umstehende ihr noch hätten helfen können.

00:06:33: Ich erinnere mich noch an den Vorfall, weil die Polizei das damals auch gemeldet hatte und die darauf hingewiesen hat, dass sie Hinweise nehmen, weil die Täter verschwunden sind.

00:06:46: Und damals ging es auch darum, dass Die Frau, die jetzt ausgezeichnet wurde, damals an dem Tag noch gesucht wurde als Zeugin praktisch.

00:06:57: Und Daufern hatte Frau Welpuski sich direkt gemeldet, weil sie es bei uns in der Berichterstom gelesen hatte, richtig?

00:07:03: Das

00:07:03: stimmt, das war so.

00:07:04: Auch das hat Michael Weiner gestern nochmal erzählt und ich glaube, du hattest das damals auch geschrieben.

00:07:09: Ja, tatsächlich, als wir die Einladung jetzt bekommen haben für die Preisverleihung, konnte ich mich zuerst gar nicht dran erinnern und dann musste ich bei uns im Archiv schauen und dann habe ich mich dran erinnert, weil mein Name drüber stand, dachte ich, ach ja, stimmt, das war diese Meldung damals, die ich... fertig gemacht hatte, hat es aber tatsächlich nicht mehr abgespeichert.

00:07:27: Genau,

00:07:28: genau, so war es.

00:07:29: Auf diese Meldung hin hatte sie sich jedenfalls tatsächlich bei der Polizei nochmal gemeldet, hat als Zeugen dort ausgesagt und hat auch die Situation und die Täter nochmal beschrieben, soweit sie sich daran erinnern konnte.

00:07:42: Okay, das heißt, das war für die Polizei tatsächlich auch wichtig, dass sie sich auch nicht nur da eingegriffen hatte, sondern sich auch nochmal gemeldet hat.

00:07:48: im Nachgang, ne?

00:07:50: Absolut,

00:07:50: absolut.

00:07:51: Vielleicht können wir das jetzt vorwegnehmen, Hat man die Täter denn überhaupt gefunden bis heute?

00:07:57: Die Täter hat man bis heute nicht gefunden.

00:07:59: Darüber habe ich gestern nochmal mit Herrn Weiner gesprochen.

00:08:05: Die sind weiterhin unbekannt.

00:08:07: Diese drei Täter werden aber auch weiterhin gesucht.

00:08:10: Also wer dazu noch... Angaben machen kann, wer an diesem Tag, das war glaube ich an Mittwoch, auf dem Busbahnhof war und da was gesehen hat, der ist weiterhin bei der Polizei als Zeuge sehr gefragt.

00:08:21: Und wie ist es dem Jungen gegangen, der damals zusammengeschlagen wurde oder getreten wurde?

00:08:27: Der lag ja damals so auf dem Bordstein, wie es Frau Wojpurski gestern noch mal beschrieben hat, ist gestürzt, wurde getreten, also war wirklich in der Situation ausgesetzt, die sicherlich hätte schlimmer ausgehen können.

00:08:41: Aber offenbar ist er mit leichten Verletzungen davon gekommen.

00:08:45: Wir haben jetzt, oder du hast nach deinem Artikel, den wir jetzt über die Preisverleihung geschrieben hast, wir haben durchaus positive Reaktionen bekommen vor der Leserschaft, aber auch Eine Nachfrage dahingehend, also ich fasse es mal sinngemäß zusammen, kriegt man für sowas wirklich schon einen Preis für Zivilcourage.

00:09:05: Kannst du, also... gemeint ist, offensichtlich, so verstehe ich das zumindest, naja, die hat ja nur einmal rumgebrüllt und dann sind die abgehauen.

00:09:12: Das war ja keine Heldentate.

00:09:13: Kannst du das nachvollziehen, so eine Nachfrage, so eine Reaktion?

00:09:16: Ich glaube, auf den ersten Blick kann man das absolut nachvollziehen, so ein Einwand.

00:09:21: Auf den zweiten Blick, glaube ich, muss man aber sagen, der Zivilcourage-Preis, ja, was zeichnet der eigentlich aus?

00:09:27: Ich glaube, der zeichnet die Reaktion in dem Moment aus, in dem es mir wichtiger ist, wie es anderen geht, als was mir selber passieren könnte.

00:09:36: Eine Kritik, wie wir sie da gehört haben, bezieht sich meiner Meinung nach eher auf die Mittel, die ich einsetze.

00:09:43: Die sind aber in diesem Fall, glaube ich, zweitrangig.

00:09:47: Weil die Frau ist ja auf die Situation zugegangen, ohne zu wissen, was als Nächstes passieren würde.

00:09:52: Ja, das heißt, wahrscheinlich geht es um diese Entscheidung in ein Buchteil mal Sekunden zu treffen, weggucken, was leichter ist definitiv, oder ... doch was tun.

00:10:03: Und dieses tun kann eben tatsächlich auch einen lauten Schreinläufer nur bestehen wahrscheinlich, oder?

00:10:07: Ganz genau.

00:10:08: Wie ist das bei dir persönlich, wenn ich mal fragen darf, wenn du davon erzählen kannst, warst du schon mal in so einer Situation, wo es tatsächlich drauf ankam, Kati, machst du jetzt was?

00:10:18: Gehst du einfach weiter?

00:10:19: Es ist ganz leicht, das zu ignorieren?

00:10:21: Oder du entscheidest dich, irgendwas zu tun, ob es nur Schrein ist, auf Menschen zugehen oder was auch immer?

00:10:27: Also

00:10:28: so eine akute Situation auf der Straße, wie wir sie hier erlebt haben.

00:10:32: Kann ich mich nicht daran erinnern?

00:10:33: Nee, ich glaube, darauf bin ich nie zugekommen.

00:10:36: Allerdings hatte ich mal eine andere Geschichte.

00:10:39: Das war in einem Haus, in dem ich gewohnt habe vor vielen Jahren.

00:10:43: Das war so ein Mehrfamilienhaus.

00:10:45: Und über mir lebte eine Frau mit zwei kleinen Kindern, von der ich wusste, dass sie schon öfter mit dem Jugendamt Kontakt hatte, weil es ein bisschen problematisch da offen war, auch zuging.

00:10:58: Da habe ich mal, als ich eines dieser Kinder wirklich laut habe, Weinen hören, lange überlegt, ob ich irgendwie reagieren soll, ob ich die Polizei rufen soll oder etwas tun soll.

00:11:10: Ich habe es in dem Moment nicht getan und das tut mir bis heute leid, muss ich sagen.

00:11:15: Aber du weißt nicht, ob da wirklich was Schlimmes war oder ob das vielleicht das Kind, wer Kinder hat oder einen näheren Umfeldkind hat, weiß.

00:11:24: Kinder schreien, öfter heulen, öfter so.

00:11:27: Also ich hab selber Kinder und ich hab tatsächlich früher manchmal die Kleiner waren und dann geheult haben auf der Straße oder auch man das Fenster auf und hatte und draußen Leute das hören konnten, dachte ich manchmal, was die jetzt wohl denken, was hier gerade passiert.

00:11:40: Dabei ist das manchmal einfach nur, dass in der Anführung schließlich normale heulen, wenn einen Wutanfall haben oder irgendwas los ist.

00:11:47: Aber das heißt, du hast nicht rausgefunden, ob da tatsächlich irgendwie ... das Kind große Schwierigkeiten oder Schmerzen hatte, weil es geschlagen wurde oder was auch immer.

00:11:55: Konkret habe ich das nicht rausgefunden.

00:11:56: Nee, ich habe die Kinder dann später gesehen, auch wenig später und augenscheinlich ging es ihnen gut.

00:12:02: Aber das ist natürlich auch immer ein Blick von von außen darauf.

00:12:05: Aber das Gefühl ist wahrscheinlich komisch dann, zu wissen, ich hätte was sein können und ich habe nicht.

00:12:11: eingegriffen oder nicht die Polizei gerufen.

00:12:13: Wie gesagt, das ist was, was ich nie vergessen werde.

00:12:16: Das beschäftigt mich auch bis heute.

00:12:18: Ich kann es ja nicht mehr ändern.

00:12:19: Ich habe diese Entscheidung so getroffen.

00:12:22: Ich

00:12:22: hoffe fast, dass ich sie heute anders treffen würde.

00:12:24: Aber ich weiß

00:12:26: es nicht.

00:12:27: Ich weiß nicht, vielleicht war auch jeder schon mal in so einer Situation oder kann sich zumindest annähernd daran erinnern.

00:12:34: Geht es dir so?

00:12:34: Kannst du dich an sowas erinnern?

00:12:36: Ja, sowas, was du beschrieben hast, tatsächlich auch, dass ich überlegt hatte in der Nachbarschaft, was ähnliches Kinder schreien und ich weiß auch nicht.

00:12:44: Na ja, vielleicht ein normales Heulen und ich habe überlegt und dann kommen Kinder Freude strahlen für mich und später raus mit den Eltern.

00:12:52: Man ist froh, Gott sei Dank habe ich mich nicht eingemischt, aber man weiß tatsächlich nie, wie es ist.

00:12:57: Es gibt einen Fall, das war ein bisschen ähnlich wie der jetzt mit der Situation am Hauptbahnhof, über die du geschrieben hast und Frau Welpuski, da muss ich, ich weiß nicht, sechzehn, siebzehn gewesen sein, glaube ich, das war bei mir an der Schule damals.

00:13:13: Ich war mit einem Freund auch in der Freistunde da.

00:13:16: das ganze Schulhof, beziehungsweise das Forum war leer bei uns in der Schule.

00:13:21: Und dann kamen so eine Klicke von Typen, fünf, sechs Leute, die wir vom sehen kannten, die, wie es das in jeder Stadt gibt, gerne mal Stress gemacht haben auf dem Schulhof.

00:13:31: Die kamen von einer anderen Schule, sind da reingekommen und man sah an, die haben Bock auf Stress, so kann man so sagen.

00:13:39: Und haben sich da aufgehalten.

00:13:41: und wir haben schon gedacht, wir hatten aber noch Unterricht danach, sind deswegen nicht abgehauen.

00:13:46: Dann hat einer von denen sich dem Freund von mir einen Weg gestellt, mit Absicht natürlich in angerempelt, damit sie einen Grund hatten, um zu sagen, hey, was soll die Scheiße?

00:13:58: Und haben dann angefangen, ihn zu schubsen und ist erst zum Boden gegangen.

00:14:01: und dann haben die angefangen, ihn zu treten.

00:14:03: Nicht gegen den Kopf, aber auf ihn eingetreten und standen fünf, sechs Leute um ihn herum.

00:14:11: Und das war wirklich ... So selbst habe ich gedacht, was mache ich denn?

00:14:15: Ich kann ja jetzt nicht einfach abhauen.

00:14:17: Die treten weiter.

00:14:18: Selbst wenn ich jetzt ins Lehrerzimmer laufe oder die Polizei rufe oder irgendwie dauert das zu lange und ich stehe darum herum und dachte, ich muss ja irgendwas tun.

00:14:25: Und das war so ähnlich wie Frau Waldpuske jetzt geschrieben hat.

00:14:27: Also das ist keine Ahnung.

00:14:28: In meinem Kopf war das wahrscheinlich, fühlte sich an wie zwei Minuten.

00:14:32: Wahrscheinlich waren es ein Sekunden, zwei Sekunden, bis ich sagte, ich muss ja was tun.

00:14:36: Bin dann hingegangen und habe einen von denen weggeschubst, von ihm weg.

00:14:40: und hatte dann drei von denen um mich herum und einer von denen hat mir dann von hinten ins Gesicht oder gegen den Kopf geschlagen.

00:14:46: Und dann haben sie zum Glück von uns abgelassen, muss man so sagen, kam dann aber, als ich nach dem Unterricht dann den Schulhof verlassen habe, später nochmal auf mich zu, als ich alleine war und dann ist einer von denen auf mich zugekommen und hat mir noch mal ins Gesicht geschlagen.

00:15:00: Man muss sagen, vielleicht aus heutiger Sicht wäre es, also heute wäre es vielleicht schlimmer ausgegangen.

00:15:07: Damals war dieser Gedanke, dass die vielleicht auch ein Messer dabei haben könnten und so bei mir im Kopf noch nicht so.

00:15:12: Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht, ob ich das heute wieder machen würde, weil ich tatsächlich Angst hätte, dass es so ist, dass sie nicht nur zweitmal gegen den Bauch, gegen den Rücken treten, sondern auf den Kopf.

00:15:25: Das kennen wir zur Hauf aus Polizeimeldung, dass Leute nicht von ihm ablassen, wenn jemand auf dem Boden liegt.

00:15:30: Heute hätte ich wahrscheinlich zu viel Angst und würde weglaufen und die Polizei rufen, anstatt selber einzugreifen.

00:15:36: Wie ist die Sache damals ausgegangen für die Täter?

00:15:39: Wurden die irgendwie verurteilt?

00:15:41: Was ist da passiert?

00:15:41: Ja, wir hatten damals dann tatsächlich überlegt, ob wir die anzeigen.

00:15:44: Wir haben dann herausgefunden, wer die sind.

00:15:47: Wir können die nur vom sehen.

00:15:48: Wir haben dann über andere, die die kannten, dann die Namen herausgefunden.

00:15:52: Und wir haben uns dann entschlossen, die anzuzeigen, tatsächlich, obwohl wir auch Angst hatten, was passiert, wenn die wissen, wir haben die angezeigt, wir treffen die in der Stadt wieder, geht's ja noch schlimmer aus.

00:16:03: Die wurden dann aber angeklagt und haben, soweit ich weiß, Arbeitsstunden auch gekriegt vom Gericht.

00:16:08: Dafür wurden verurteilt und wir haben sie zum Glück auch ganz selten in der Stadt noch gesehen und sie haben sich nicht gerecht.

00:16:17: Aber das wurden doch eine durchaus einschneidende Erfahrung.

00:16:19: Also jetzt, wenn ich darüber spreche, diese Szenen, die habe ich noch sehr, sehr prägend im Kopf tatsächlich.

00:16:24: Und sowas in der Art hatte ich zum Glück seitdem nicht, dass ich vor dieser Entscheidung stand.

00:16:30: Mach ich jetzt was?

00:16:31: Und wenn ja, was mach ich?

00:16:32: Das hat immer was Ambivalentes, ne?

00:16:35: Ja.

00:16:35: Egal, wie man sich letztendlich...

00:16:37: Ja, auf jeden Fall.

00:16:37: Es bleibt im Kopf und man fragt sich jetzt mal, puh, hätte... hätte schlimm ausgehen können.

00:16:42: War es eigentlich richtig, was ich gemacht habe?

00:16:44: Ich glaube, jetzt, wenn man dann noch älter ist mit Familie und Kindern und so weiter, oder ich merke das, ich bin dann noch vorsichtiger und denke mehr darüber nach.

00:16:52: und tatsächlich, wie gesagt, auch

00:16:55: ich...

00:16:55: Schreibt ja viel über Polizei, Gerichtsthemen, Papier mit Gewalttaten zu tun in der Berichterstattung.

00:17:02: Dieses Wissen, dass viele Leute dann tatsächlich eskalieren, viele Leute dann Messer dabei haben, man überhaupt nicht einschätzen kann, wie die reagieren, wie gewalttätig die werden.

00:17:14: Das sitzt bei mir schon im Kopf.

00:17:18: Ich bilde mir eigentlich, würde immer versuchen, die Polizei zu rufen oder wen zu alarmieren, aber diese selbst.

00:17:23: aktiv eingreifen, davon bin ich glaube ich weg.

00:17:26: Das ist ja noch mal genau diese Geschichte, die wir vorhin besprochen haben, deshalb der Preis.

00:17:30: Weil jemand das macht, ohne zu wissen, was gleich passieren wird.

00:17:34: Genau.

00:17:35: Das ist auch gut so, dass es diesen Preis gibt.

00:17:37: Tatsächlich, auch wenn mancher vielleicht denkt, das ist jetzt kein Held, das ist keine Helden.

00:17:43: Für mich ist das schon, na, kein Heldentum, aber genau das richtige Falten, dass es braucht und heißt auch Zwillkorrage und nicht... Preis für den Held oder die Heldin des Jahres.

00:17:56: Und diesen Preis gibt es nächstes Jahr auch wieder.

00:17:59: Wir werden wieder darüber berichten.

00:18:00: Vielleicht bist du dann wieder dabei, Kati.

00:18:03: Danke, dass du da warst.